Das Zuckerkartell

Am 18.02.2014 verhängte das Bundeskartellamt gegen Südzucker, Pfeifer & Langen und Nordzucker nach langjährigen, bis in das Jahr 2009 zurückreichenden Ermittlungen Bußgelder in Höhe von insgesamt rund € 280 Mio. Das Bundeskartellamt stellte fest, dass Pfeifer & Langen und Nordzucker spätestens seit 1996 sowie Südzucker spätestens ab dem Jahr 2001 Absprachen getroffen hatten, wonach die Unternehmen jeweils die angestammten Kernabsatzgebiete der Wettbewerber respektieren und dortige Kunden nicht beliefern würden (Heimatmarktprinzip). Diese Grundabsprache bezog sich sowohl auf Verarbeitungszucker, als auch auf Haushaltszucker. Zuckermengen, die über die Nachfrage der Kunden im eigenen Heimatmarkt hinaus produziert wurden, sollten eher in das Ausland exportiert als in die Heimatmärkte der übrigen Kartellanten vertrieben werden.

Die Absprachen erfolgten teils unter strategischem Blickwinkel auf Ebene der Geschäftsleitungen, teils auf Ebene des Vertriebs. Ergänzt wurde diese Grundabsprache um konkrete Einzelabsprachen, in denen es darum ging, wie auf bestimmte Entwicklungen im Zuckermarkt wie beispielsweise der Reform der EU-Zuckermarktverordnung reagiert werden könne. Gegenüber großen Industriekunden gab es auch direkte Preisabsprachen. Das Kartell dauerte wenigstens bis in das Jahr 2009 an.

Zucker

Ansprüche auf Schadensersatz prüfen!

Der Zuckermarkt in der EU ist ein durch die Zuckermarktverordnung stark regulierter Markt. So gab es bis in das Jahr 2006 einen festen Interventionspreis, eine Art von der EU garantierten Mindestpreis für bestimmte Zuckermengen. Dieser wurde danach mit Übergangsphasen durch einen Referenzpreis ersetzt. Insofern herrschte auf dem Zuckermarkt bereits nach der gesetzgeberischen Konzeption kein uneingeschränkter Wettbewerb.

  • Zuckerindustrie unter Kartellverdacht
  • Schäden in Millionenhöhe
  • Ermittlungen des Bundeskartellamts
  • Schadensersatz für Zuckerverwender
  • Absprachen zwischen 1996-2009
  • Sammelklage & Prozessfinanzierung

In seinem Bußgeldbescheid stellt das Bundeskartellamt fest, dass durch die Absprachen der drei Zuckerhersteller der (Rest-) Wettbewerb gleichwohl „spürbar beschränkt“ wurde. Weiter stellte das Bundeskartellamt fest, dass die besagte Grundabsprache „die Verhaltensspielräume der Zuckerhersteller“ gegenüber den Kunden „erweitert“ habe. Im Klartext: Die Zuckerhersteller konnten höhere Preise verlangen. Die tatsächlichen Zuckerpreise lagen auch stets deutlich über dem Interventionspreis, obwohl in Deutschland mehr Zucker hergestellt als verbraucht wurde. Dementsprechend führt das Bundeskartellamt in seinem Bescheid auch aus, dass mit Schadensersatzklagen der Abnehmer zu rechnen sei. Die Bußgeldbescheide sind bestandskräftig, da die Zuckerhersteller keine Einsprüche einlegten.

Ansprüche auf Schadensersatz prüfen

Wir prüfen für Sie

Sie haben zwischen 2001 und 2009 Zucker bezogen? Wir prüfen Ihre Unterlagen auf Schadenersatzansprüche. Nehmen Sie kostenlos und unverbindlich Kontakt auf!

Auswirkungen des Zuckerkartells

Sowohl Industrie- als auch Endkunden haben für ihren Zucker über Jahre hinweg zu viel gezahlt. Betroffen von der Grundabsprache der Kartellanten, durch welche diese sich ihre Absatzgebiete aufgeteilt hatten, sind im Ergebnis alle, die Zucker gekauft haben.

Unmittelbar betroffen waren zunächst die direkten Kunden von Südzucker, Pfeifer & Langen und Nordzucker. Aufgrund der Gebietsabsprachen wurden oftmals nur von dem Kartellanten, in dessen Gebiet der Kunde ansässig war, überhaupt Angebote unterbreitet. Sofern von anderen Kartellanten Angebote vorgelegt wurden, dann zu Abwehrkonditionen. Dies führte dazu, dass Kunden beim Zuckerbezug jeweils auf „ihren“ Kartellanten angewiesen waren. Dieser konnte damit nicht wettbewerbskonforme Preise verlangen.

Wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Preise für Zucker in den Jahren 2001 – 2009 um rund 10 – 18 % überhöht waren. Zu dem Ergebnis, dass die kartellbedingte Beschränkung des Wettbewerbs Preisverzerrungen verursacht hat, kommen verschiedene wirtschaftswissenschaftliche Schadensermittlungsmethoden unabhängig voneinander. Der konkrete Schaden hängt von den individuellen Umständen des Einzelfalls ab. Art des Zuckers, genauer Bezugszeitpunkt und der Sitz des Zuckerabnehmers können eine Rolle spielen.

Aufgrund der kartellbedingten generellen Überhöhung des Preisniveaus können aber auch jene vom Zuckerkartell betroffen sein, die gar nicht unmittelbar von einem der Kartellanten Zucker bezogen haben. Hier geht es beispielsweise um Konstellationen, in denen zwischen dem Kartellanten und dem Zuckerabnehmer ein Händler zwischengeschaltet war. Auch ist denkbar, dass sonstige Zucker- oder Süßungsmittelhersteller aufgrund der generellen Überhöhung des Preisniveaus im Zuckermarkt höhere Preise verlangen konnten (Preisschirmeffekt). Hier bedarf es einer Analyse des Einzelfalls.


Kontakt aufnehmen

Name des Ansprechpartners *

E-Mail-Adresse *

Kontaktdaten der Firma *

Telefon *

(*) Pflichtfelder

Über Rössner Rechtsanwälte

RÖSSNER RECHTSANWÄLTE gehört zu den führenden Kanzleien für Bank- und Kapitalmarktrecht in Deutschland. Im Bereich der zivilrechtlichen Durchsetzung von Kartellschadensersatzansprüchen (Private Enforcement) gehört RÖSSNER RECHTSANWÄLTE zu den wenigen überhaupt am Rechtsmarkt tätigen Kanzleien, die ausschließlich die Interessen kartellgeschädigter Unternehmen und Verbraucher vertreten. Die Kanzlei hat ihren Sitz in München und verfügt über eine Niederlassung in Berlin.