Allulose gilt in den USA als kalorienarmer Süßungs-Star, der beim Backen fast wie echter Zucker funktioniert – und der auf US-Etiketten nicht einmal als Zucker mitgezählt werden muss. In Deutschland dagegen sucht man sie im Supermarktregal vergeblich. Der Grund ist kein Geschmack, sondern das EU-Recht: Allulose ist bei uns bislang schlicht nicht zugelassen. Wir erklären, was hinter dem „seltenen Zucker“ steckt, was er kann – und warum Sie ihn hierzulande kaum legal kaufen können.
Auf einen Blick
Allulose (auch D-Psicose) ist ein seltener Zucker mit rund 70 % Süßkraft von Haushaltszucker, aber nahezu ohne Kalorien (ca. 0,2–0,4 kcal/g) und mit einem glykämischen Index von praktisch null. Sie karamellisiert und backt zuckerähnlich – ein echter Vorteil gegenüber vielen Alternativen. In der EU ist Allulose jedoch nicht als Lebensmittel zugelassen (Novel-Food-Verfahren läuft, EFSA konnte die Sicherheit 2025 nicht abschließend bewerten), während sie in den USA erlaubt und von der Zuckerkennzeichnung ausgenommen ist.
Was ist Allulose überhaupt?
Allulose ist ein Monosaccharid – also ein Einfachzucker – und chemisch eng mit Fruchtzucker (Fruktose) verwandt. Genauer handelt es sich um das sogenannte C-3-Epimer der Fruktose: Ein einziges Kohlenstoffatom ist räumlich anders angeordnet. Diese winzige Verschiebung genügt, damit unser Körper die Allulose nicht mehr als normale Energiequelle erkennt und kaum verwerten kann.
Man zählt Allulose zu den „seltenen Zuckern“ (englisch rare sugars), weil sie in der Natur nur in Spuren vorkommt – etwa in getrockneten Feigen und Rosinen, in Weizen sowie in kleinen Mengen in Ahornsirup. Diese natürlichen Vorkommen sind so gering, dass eine wirtschaftliche Gewinnung daraus unmöglich ist. Für die industrielle Herstellung wird Allulose deshalb enzymatisch aus Fruktose bzw. aus Mais- oder Rübenzucker umgewandelt. Der zweite gebräuchliche Name D-Psicose bezeichnet exakt dasselbe Molekül und taucht vor allem in wissenschaftlichen Studien auf.
Süßkraft, Kalorien und glykämischer Index
Geschmacklich kommt Allulose dem Haushaltszucker sehr nahe: sauber süß, ohne den kühlenden Effekt von Erythrit und ohne den bitteren oder metallischen Nachgeschmack, den manche Menschen bei Intensivsüßstoffen wahrnehmen. Ihre Süßkraft liegt bei etwa 70 % von normalem Zucker – für dieselbe Süße braucht man also etwas mehr.
Der eigentliche Clou ist die Energiebilanz. Allulose wird im Dünndarm zwar aufgenommen, aber vom Körper kaum verstoffwechselt. Rund 70 % werden über den Urin wieder ausgeschieden, ein weiterer Teil verlässt den Körper unverändert. Dadurch liefert sie nur etwa 0,2 bis 0,4 Kilokalorien pro Gramm – gegenüber rund 4 kcal/g bei Haushaltszucker. Weil sie nicht als Blutzucker anflutet, liegt ihr glykämischer Index bei praktisch null; sie löst weder einen nennenswerten Blutzucker- noch Insulinanstieg aus. Das macht sie theoretisch für Menschen interessant, die auf ihren Blutzucker achten – wobei belastbare Langzeitdaten am Menschen bislang begrenzt sind.
| Eigenschaft | Allulose | Haushaltszucker (Saccharose) |
|---|---|---|
| Typ | Monosaccharid („seltener Zucker“) | Disaccharid |
| Süßkraft | ca. 70 % | 100 % (Referenz) |
| Kalorien | ca. 0,2–0,4 kcal/g | ca. 4 kcal/g |
| Glykämischer Index | praktisch 0 | ca. 65 |
| Backen/Karamellisieren | ja, zuckerähnlich | ja |
| Zulassung EU | nein (Novel Food, in Prüfung) | ja |
| Zulassung USA (FDA) | ja (GRAS) | ja |
Der große Vorteil: Allulose backt und karamellisiert
Wer schon einmal mit Zuckeralternativen gebacken hat, kennt das Problem: Viele Süßstoffe bringen zwar Süße, aber keine der technischen Eigenschaften von Zucker mit. Erythrit rekristallisiert und schmeckt kühlend, Stevia liefert weder Volumen noch Bräunung, klassische Süßstoffe versagen bei Karamell komplett.
Hier spielt Allulose ihre Stärke aus: Als echter Zucker nimmt sie an der sogenannten Maillard-Reaktion teil und karamellisiert bei Hitze – sogar etwas schneller als Haushaltszucker. Gebäck wird goldbraun, Karamell und Eiscreme gelingen mit einer Textur, die anderen Alternativen schwerfällt. In der Praxis heißt das: Kekse bräunen, Cremes werden weich, Eis bleibt cremiger. Genau diese küchentechnische Nähe zum Zucker ist der Grund, warum Allulose in den USA in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Mehr zum Vergleich der Zuckeralternativen lesen Sie in unserer Übersicht zu Zuckerersatz und im Detailartikel zu Erythrit.
Verträglichkeit: Wie gut vertragen wir Allulose?
Allulose gilt als besser verträglich als die klassischen Zuckeralkohole (Polyole) wie Erythrit, Xylit oder Maltit. Da sie überwiegend aufgenommen und ausgeschieden statt im Dickdarm vergoren wird, verursacht sie in moderaten Mengen bei vielen Menschen weniger Blähungen. Beschwerdefrei ist sie aber nicht.
Bei größeren Mengen kann es – wie bei den meisten Zuckeraustauschstoffen – zu Verdauungsbeschwerden kommen:
- Blähungen und Völlegefühl
- Bauchgrummeln oder -krämpfe
- weicher Stuhl bis hin zu Durchfall (abführende Wirkung bei hoher Dosis)
In Ländern wie Australien und Neuseeland, die Allulose zugelassen haben, sind für stark allulosehaltige Produkte deshalb Hinweise auf eine mögliche abführende Wirkung vorgesehen. Als grobe Orientierung nennt die Forschung Einzelmengen im Bereich von etwa 0,4 g pro Kilogramm Körpergewicht als meist gut verträglich – individuell kann die Toleranzgrenze aber deutlich abweichen.
Der entscheidende Punkt: Allulose ist in der EU nicht zugelassen
Und damit zum Kern der Sache. In der Europäischen Union – und damit auch in Deutschland – fällt Allulose unter die Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283. „Novel Food“ bedeutet: Lebensmittel, die vor Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden, brauchen vor dem Verkauf eine ausdrückliche behördliche Zulassung. Diese Zulassung liegt für Allulose bislang nicht vor.
Ein Zulassungsantrag ist zwar gestellt und durchläuft das Verfahren. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die vorgelegten Daten 2025 bewertet, konnte die Sicherheit von D-Allulose als neuartiges Lebensmittel aber nicht abschließend feststellen. Als Gründe nannte die EFSA Lücken in den toxikologischen Unterlagen – unter anderem fehlte eine kombinierte Langzeit-Studie zu chronischer Toxizität und Kanzerogenität sowie ausreichende Daten zum Langzeitverzehr beim Menschen. Erst wenn diese Lücken geschlossen sind und die Europäische Kommission grünes Licht gibt, dürfte Allulose in der EU verkauft werden. Branchenschätzungen gehen von mehreren Jahren aus.
Warum die USA einen anderen Weg gehen
Ganz anders die Lage in den Vereinigten Staaten. Dort hat die Lebensmittelbehörde FDA Allulose über den GRAS-Status („Generally Recognized as Safe“) mehrfach akzeptiert. Seit 2019 gilt zudem eine Besonderheit: Allulose darf auf der US-Nährwertkennzeichnung von den Angaben „Total Sugars“ und „Added Sugars“ ausgenommen werden – sie zählt dort also offiziell nicht als Zucker. Für den Kaloriengehalt setzt die FDA einen Wert von rund 0,4 kcal/g an.
Dieser regulatorische Unterschied erklärt, warum Allulose in US-Proteinriegeln, „zuckerfreien“ Sirupen und Backmischungen allgegenwärtig ist, während sie in europäischen Supermärkten fehlt. Es ist kein Qualitäts-, sondern ein Zulassungsunterschied – und ein gutes Beispiel dafür, dass „in den USA erlaubt“ nicht automatisch „in der EU erlaubt“ bedeutet. Wie stark der glykämische Effekt eines Süßungsmittels wirklich zählt, ordnen wir im Beitrag zum glykämischen Index ein; konkrete Nährwerte finden Sie in unserer Nährwertdatenbank.
Häufige Fragen zu Allulose
Ist Allulose in Deutschland verboten?
Sie ist nicht „verboten“ im Sinne einer Gefahrenabwehr, aber sie ist als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) in der EU bislang nicht zugelassen. Ohne Zulassung darf sie in Deutschland nicht als Lebensmittel verkauft werden – im Ergebnis ist sie also nicht legal erhältlich.
Ist Allulose dasselbe wie D-Psicose?
Ja. D-Psicose ist der ältere, vor allem in der Forschung übliche Name für exakt dasselbe Molekül. „Allulose“ ist die heute geläufige Bezeichnung.
Hat Allulose wirklich fast keine Kalorien?
Weitgehend ja. Sie wird kaum verstoffwechselt und großteils wieder ausgeschieden, weshalb sie nur rund 0,2–0,4 kcal/g liefert – gegenüber etwa 4 kcal/g bei Haushaltszucker.
Kann ich Allulose zum Backen nehmen?
Technisch eignet sie sich hervorragend, weil sie karamellisiert und bräunt wie Zucker. Das Problem ist die fehlende EU-Zulassung: Legal beziehen lässt sie sich in Deutschland derzeit nicht.
Verträgt man Allulose besser als Erythrit oder Xylit?
Tendenziell ja, weil sie kaum im Dickdarm vergoren wird. In größeren Mengen kann sie aber ebenfalls Blähungen oder eine abführende Wirkung auslösen.
Beeinflusst Allulose den Blutzucker?
Nach aktuellem Kenntnisstand kaum – ihr glykämischer Index liegt bei praktisch null. Belastbare Langzeitdaten am Menschen sind allerdings noch begrenzt, was auch die EU-Behörden bemängeln.
Fazit
Allulose ist eine der küchentechnisch überzeugendsten Zuckeralternativen: Sie schmeckt sauber süß, hat kaum Kalorien, kaum glykämische Wirkung und backt sowie karamellisiert fast wie echter Zucker – ein Vorteil, mit dem weder Erythrit noch klassische Süßstoffe mithalten. Der Haken liegt nicht im Produkt, sondern im Recht: In der EU ist Allulose nicht zugelassen, und die EFSA konnte 2025 die Sicherheit mangels ausreichender Langzeitdaten nicht bestätigen. Bis das Novel-Food-Verfahren abgeschlossen ist, bleibt Allulose für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem ein Blick über den Atlantik. Wer heute eine legale, gut untersuchte Alternative sucht, ist mit den in der EU zugelassenen Optionen besser beraten – und sollte Online-Angeboten für „Allulose-Zucker“ mit gesunder Skepsis begegnen.
Quellen: EFSA Journal (2025): Safety of D-allulose as a novel food · FDA-Leitlinie zur Kennzeichnung von Allulose